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Archive for the ‘Behinderung’ Category

16. 03. 2010 Mobilfunker im Rollstuhl

Hier zwei Beispiele für Menschen mit Behinderung in der Werbung:

Österreich: Orange & Thomas Geierspichler

Die Firma Orange gibt bekannt, dass der Rennrollstuhl-Olympiasieger Thomas Geierspichler in der aktuellen Kampagne des Mobilfunkbetreibers zu sehen ist. Seit 5. Jänner 2009 läuft dazu ein TV-Spot. Bei dem neuen Orange TV-Spot geht es um den Grundgedanken, dass der Einzelne die Summe all seiner Beziehungen und jener Menschen ist, die ihm begegnen. Ganz nach dem Motto von Orange: “Zusammen sind wir mehr”. Die Werbekampagne (TV, Print, Hörfunk) schildert Geierspichlers Leben von vor seinem Unfall bis zur Olympiamedaille und die Menschen, die ihn durch Höhen und Tiefen begleitet haben.



Frankreich: Simyo & Pascal Duquenne

Auch in Frankreich ist es ein Mobilfunkbetreiber, die Firma simyo, die einen behinderten Menschen als Werbeträger engagiert hat. Pasqual Duquenne, er wurde 1996 als bester Darsteller bei den Filmfestpielen in Cannes ausgezeichnet, ist ein Mann mit Down-Syndrom. Er wirbt mit dem Spruch: “Wie ihr seht, ich bin … ein wenig anders. Aber eigentlich … bin auch so wie ihr: Ich telefoniere gerne.”

11. 03. 2010 Angstschweiß muss man nicht sehen

Der Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Hamburg sorgt mit einer frechen Kampagne für Aufsehen, die selbstbewusste SportlerInnen mit besonderen Bedürfnissen ins Zentrum rückt und diese als selbstbewusste, leistungsorientierte und siegeshungrige Profis darstellt, die keineswegs das Mitleid der ZuseherInnen brauchen, sondern ihre Stärken durchaus auch aus ihren außergewöhlichen körperlichen Merkmalen schöpfen. Nicht eine (ohnehin unerreichbare) Anpassung an die Norm ist das Ziel, sondern ein bewusstes Statement zur eigenen Besonderheit und Vielfältigkeit als Chance.



Die komplette Kampagne sowie einen Kampagnenfilm finden Sie hier:
http://www.brs-hamburg.de/

Quelle: BRS Hamburg e.V.

02. 10. 2009 Behinderung als Abschreckung

Es scheint, als ob mit der Angst vor drohender Behinderung mehr Geschäft zu machen ist als mit den Behinderten selbst. Wie die im Frühjahr 1981 bundesweit durchgeführte “Zeckenschutz-Impfaktion 81″ gezeigt hat, ist für Ärzte, Apotheker und die Pharma-Industrie auch bei impfmüden und inzwischen sparsamer gewordenen Österreichern noch einiges Geld zu holen.


Der werblich perfekt vorbereiteten “größten Informationsaktion, die die Österreichische Apothekerkammer je durchgeführt hat” konnte sich kaum jemand entziehen. 1.300 Großplakate und eine “massive Hörfunkkampagne” haben die Bevölkerung auf die Aktion aufmerksam gemacht und an die Notwendigkeit der vorbeugenden Impfung erinnert. Das ganze Spektakel stand unter dem furchteinflößenden Motto “Lieber zeckengeimpft als gehirngeschädigt” und hat einmal mehr gezeigt, was privatwirtschaftliches Interesse auf die Beine zu stellen imstande ist. Die Aktion hatte einen, mit früheren Impf-Aufrufen wie zum Beispiel für die Polio-Schluckimpfung nicht vergleichbaren durchschlagenden Erfolg zu verzeichnen: 1,2 Millionen Österreicher sind bereits “zeckengeimpft”, dank der “entsprechend hochdramatischen Gestaltung und einem überaus starken Aufforderungseffekt” der Plakatmotive und Texte, die sogar mit einem “Werbeoscar” ausgezeichnet wurden (vgl. Abb.2)





Abschreckender kann Behinderung, furchtbarer können Distanz und Vorurteile gegenüber behinderten Menschen kaum mehr visualisiert werden, als mit dieser, vom Bundesministerium für Gesundheit und Umweltschutz mitfinanzierten Öffentlichkeitsarbeit. Abstoßende Bilder und aufrüttelnde Texte prägen sich eben viel stärker ins Gedächtnis ein als lange Erklärungen, das hat man schon vor vierzig Jahren gewußt!


Mit dieser kostspieligen Kampagne wurde mit großer Wahrscheinlichkeit eine viel größere Breitenwirkung zum Thema Behinderung erzielt als mit der Plakataktion des Bundesministeriums für soziale Verwaltung anläßlich des “Behindertenjahres”, mit dem mißverständlichen Text “Behindert. Ein Mensch zweiter Klasse? Ein Vorurteil!”, das “das ganze Jahr über als Gratis-Lückenfüller” affichiert wurde und “das die Menschen, um die es geht, nicht woll(t)en”.


Immerhin ist der darin verpackte Ruf nach mehr Menschlichkeit bis zur Österreichischen Ärzteschaft durchgedrungen, die sich bereit erklärt hat, die Zeckenschutzimpfung in einem befristeten Zeitraum zu einem herabgesetzten Honorar durchzuführen, wobei klugerweise verschwiegen wird, daß die genauso wirksame Impfung innerhalb von 48 Stunden nach dem Zeckenbefall im Gegensatz zur vorbeugenden Impfung von der Krankenkasse bezahlt wird. Der riesige Werbeaufwand für die Impf-Kampagne, der freundlicherweise auch von der Herstellerfirma des Impfstoffes mit einem “namhaften Betrag” unterstützt worden sein soll, steht zwar in keiner Relation zur Wahrscheinlichkeit einer Infektion durch einen Zeckenbiß, sehr wohl aber zum dabei auf Kosten verängstigter Bürger gemachten Gewinn der Pharma-Industrie und der Ärzteschaft.


In Bereichen, wo weitaus häufiger Behinderungen “produziert” werden, in der Arbeitswelt, engagieren sich diese Herrschaften hingegen kaum. Kein Wunder, gegen Arbeitsunfälle und Frühinvalidität kann man ja schließlich nicht vorbeugend impfen und dabei noch ein Geschäft machen.


Quelle: http://bidok.uibk.ac.at/

09. 03. 2009 Zusammen sind wir mehr

Ein Beispiel dafür, was ich meine, wie die Dimensionen des Diversity Marketings positiv in Mainstream-Kampagnen Einzug finden können, ist die Zusammenarbeit von Orange mit dem österreichischen Sportler des Jahres, Rollstuhl-Olympiasieger Thomas Geierspichler.
Natürlich ist Geierspichler nicht der typische Fall eines Menschen mit Behinderung. Seine Geschichte ist aber gerade deswegen erzählenswert. Orange stellt sich dabei in den Dienst der Sache um zu zeigen, dass es eben nicht notwendig ist, sich aufzugeben. Auch den Claim “Zusammen sind wir mehr” finde ich für Diversity-Marketing als geradezu programmatisch.
Orange-Spot mit Thomas Geierspichler